Immobiliensteuern: OECD rät zur Anhebung

Veröffentlicht am 16 Februar 2012 von Lina Honbellano in News
         

Das deutsche Steuersystem muss geändert werden und zwar radikal. Zu dieser Einschätzung kommt die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) in ihrem Wirtschaftsbericht Deutschland 2012. Nach Ansicht der OECD hat das derzeitige System langfristig gesehen negative Folgen auf die Wirtschaftsleistung der Bundesrepublik. Vor allem die Arbeit sollte entlastet werden. In diesem Segment rät der Verbund Steuern sowie Sozialabgaben zu senken und an anderen Ecken, wie z.B. bei Mehrwertsteuer und Immobiliensteuer, eine deutliche Erhöhung durchzuführen. Bei den Steuern für Immobilien rät die OECD sogar zu einer Verdreifachung.

In Deutschland besteht das Steueraufkommen derzeit zu 64 Prozent aus Lohn-, Einkommensteuer und Sozialabgaben. Viel zu hoch, argumentiert die OECD. Innerhalb der OECD (Verbund aus 34 marktwirtschaftlich organisierten Staaten) liege der Durchschnittswert der Arbeitskosten bei 52 Prozent.

Die Besteuerung von Immobilien liege hingegen erheblich unter dem Durchschnitt. Lediglich 1 Prozent tragen die Einnahmen über die Immobiliensteuern zum gesamten Steueraufkommen bei. Bei 3 Prozent sei der OECD-Schnitt. Sogar wenn man die Steuereinnahmen aus Immobilien auf das Bruttoinlandprodukt bezieht (BIP), sei Deutschland mit 0,5 Prozent unterhalb des Schnitts der 34 OECD. Das Durchschnittsaufkommen liegt derzeit bei 1 Prozent des BIP.

Laut Ansicht der OECD sind die zu geringen Immobiliensteuern vor allem durch die Bezugsgröße der Einheitswerte begründet, welche nach ihrer Einschätzung viel zu gering angesetzt seien. Deutschland solle sich bei seinen Steuersätzen lieber an den Verkehrswerten orientieren, die derzeit für Gebäude und Grundstücke gelten sowie die Hebesätze für die Grundsteuer in den Kommunen anheben. Die OECD ist der Meinung, dass dem Wirtschaftswachstum durch eine Anhebung von Immobilien- und Mehrwertsteuern deutlich weniger geschadet werde als durch zu hohe Arbeitskosten. Eine zeitnahe Reformation des deutschen Steuersystems sei dementsprechend unumgänglich, so die OECD.